Bullet MT 3.0

RC-Monster-Action • Ausgabe 1/2010

Eigentlich erschienen Monster Trucks relativ spät auf der Bühne des RC-Sports. Dennoch gelang es ihnen, das Hobby regelrecht zu revolutionieren. Der wuchtige Auftritt und das spektakuläre Fahrverhalten fanden großen Anklang und sorgten für viele neue Interessenten. Genau an diesem Punkt setzt HPI an und präsentiert mit dem Bullet MT 3.0 einen Vertreter dieser Klasse im kompletten RTR-Paket.


Der Tank des Bullet beherbergt werkseitig einen integrierten Spritfilter, sodass hier keine zusätzliche Ausstattung benötigt wird

Die Elektronikbox nimmt den Empfänger und ein fünfzelliges Akkupack in Zweidrittel-AA-Bauweise sicher auf

Mit dem Bullet MT lässt sich auch gut das Fliegen erlernen

In Sachen Lenkungs-Konstruktion verwendet HPI klassische C-Hubs. Große Sechskant­mitnehmer mit 14 Milli­meter Durchmesser greifen in die Felgen

Hauptzahnrad, Slipperkupplung und Stahlbremse bilden eine Einheit

Vierspider-Diffs mit Stahlzahnrädern sorgen für eine hohe Standfestigkeit des Antriebsstrangs

Insgesamt acht Öldruckstoßdämpfer bügeln Bodenunebenheiten effizient aus

Vier massive untere Querlenker bilden die Basis des Fahrwerks

Ab Werk sind alle Komponenten an Bord, die man zum Betrieb des Monstertrucks braucht

Kern des Antriebs ist der kräftige Nitro Star G3.0 mit Resonanzauspuff

Teil des RTR-Pakets ist auch der TF-1-Sender, der nach wie vor niemandem vom Hocker reißt

Motor und Trägermodell harmonieren ideal und erlauben gute Fahrleistungen

Monster Trucks wecken vor allem Eins: Emotionen. Aus technischer Sicht verfügen sie durchaus über Merkmale, die nicht nur Vorteile haben. Der Leitsatz „Form follows Function“ wird dabei gelegentlich vollständig außer Kraft gesetzt, denn die Optik eines solchen Hardcore-Offroaders spielt eine wichtige Rolle.

Defintionsfrage
Doch was genau macht einen Monster Truck eigentlich aus? Zuerst natürlich eine wuchtige Pickup-Karosserie und riesige Räder. Beides findet sich am Bullet MT wieder, der trotz des eher kleinen Maßstabs von 1:10 einen bulligen Auftritt hinlegt. Dazu kommt zumeist noch ein Grundaufbau auf zwei vertikalen Chassisplatten oder untenliegenden Verstrebungen, der einerseits zwar für viel Bodenfreiheit sorgt, andererseits aber alle Bauteile auf der Bodenplatte und damit den Modellschwerpunkt weit nach oben verlegt. Bei aller Liebe zur Optik, ist dieses Kriterium in Sachen Performance alles andere als optimal.

HPI geht einen anderen Weg und setzt den Bullet auf ein Flachchassis aus Aluminium, das mithilfe zweier oben liegender Verstrebungen gegen allzu starkes Durchbiegen geschützt wird. Von seiner Grundstruktur ist der Bullet also einem Offroad-Buggy nicht ganz unähnlich. Echte Monstertruck-Fetischisten mögen hieran durchaus Anstoß nehmen. Rational betrachtet hat aber eine solche Konstruktion gegenüber klassischen Monster-Aufbauten fast nur Vorteile, die vor allem im deutlich abgesenkten Schwerpunkt zu finden sind. Dessen Stärken lassen sich vor allem beim Erklimmen von steilen Anstiegen oder Durchfahren schneller Kurvenpassagen deutlich spürbar nachvollziehen.

Sehr viel „monstermäßiger“ geht es bei der Verbindung der massiven unteren Querlenker und den Dämpferbrücken zu: Jeweils vier Öldruckstoßdämpfer pro Achse kommen hier zum Einsatz. Sie sind vollständig aus Kunststoff gefertigt und erlauben die Abstimmung der Bodenfreiheit durch das Einsetzen oder Entfernen von Vorspannklipsen. Hierbei fällt auf, dass es HPI bei der Anzahl an Klipsen sehr gut gemeint hat. Auf dem Tisch steht der Bullet MT sehr hoch, was natürlich dem Monster-Look entgegen kommt. Andererseits wird dadurch aber der dringend benötigte negative Federweg auf ein Minimum reduziert. Statt Löcher im Boden auszubügeln, neigen die Modelle in solchen Fällen dazu, regelrecht hineinzufallen. Ob sich das auch am Bullet bewahrheiten würde, musste allerdings der Praxistest zeigen.

Powerpaket
Damit es richtig voran geht, hat HPI dem Bullet MT in dieser Variante einen Nitromotor mit der Bezeichnung Nitro Star G3.0 mit auf den Weg gegeben. Wie der Name schon suggeriert, verfügt das Triebwerk über einen Hubraum von drei Kubikzentimeter. Für einen 1:10er ist das durchaus üppig bemessen, aber im harten Gelände können ein paar Reserven auch nicht schaden. Das Layout des Nitro Star ist eher bodenständig ausgelegt. Drei Einlässe und ein seitlicher Auslasskanal sind hierfür Indiz. In die gleiche Kerbe schlagen die Brennraum-Dichtungen, die gleich in dreifacher Ausführung verbaut wurden. Das ist ein Hinweis auf eine relativ niedrige Verdichtung und legt erneut die Folgerung nahe, dass der Motor des Bullet eher auf eine gleichmäßige Kraftentfaltung und ein stabiles Drehmoment konzipiert wurde und nicht auf maximale Spitzendrehzahlen.

Wie für RTR-Modelle üblich, wird der Startvorgang per Seilzug vorgenommen. Darüber hinaus verfügt das Chassis unter dem Schwungrad über eine Aussparung, sodass auch eine Startbox zum Einsatz kommen kann. Viele Piloten greifen früher oder später auf eine solche Anlass-Hilfe zurück, denn diese funktionieren meist deutlich zuverlässiger und komfortabler als integrierte Lösungen. Seine Abgase entlässt der Nitro Star über ein Resonanzrohr aus Aluminium. Gut so, denn nur mit einem solchen Auspuff-System können Zweitakter ihre maximale Leistung erreichen.

Von der Kupplungsglocke geht es dann auf ein breites Hauptzahnrad aus Kunststoff, das durch eine integrierte Slipperkupplung vor Belastungsspitzen geschützt wird. Gerade im Gelände ist so eine Vorrichtung sehr sinnvoll, da ansonsten alle Energie in den Antriebsstrang fließen und so für erhöhten Verschleiß sorgen würde. Ebenfalls Teil der Hauptzahnrad-Einheit ist eine Bremsscheibe aus Stahl. Da der Bullet nicht über ein Mitteldifferenzial verfügt, reicht eine Scheibe als Bremsvorrichtung grundsätzlich vollkommen aus.

Verteiler-Einheit
Apropos Differenzial – deren zwei treten in Form von Vier-Spider-Lösungen sowohl an der Vorder- als auch an der Hinterachse in Erscheinung. Alle Zahnräder wurden aus Stahl gefertigt, was auf ein langes Leben hoffen lässt. Ab Werk mit Fett geschmiert, können die gedichteten Diffs bei Bedarf auch mit Silikonöl befüllt werden. Dieser Eingriff ist Teil des Setups und kann das Fahrverhalten eines RC-Cars maßgeblich beeinflussen.

Von und zu den Differenzialen geht es über Knochenwellen aus Stahl. An der Hinterachse und im zentralen Bereich erscheint diese Umsetzung absolut angemessen. Etwas anders sieht es an der Vorderachse aus. Hier müssen sowohl Lenk- als auch Fahrwerksbewegungen ausgeglichen werden, was geometrisch durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt. An diesem Punkt zeigten in der Vergangenheit CVD- oder Kardanwellen bessere Ergebnisse als einfache Knochen, sodass wir uns hier eine solche Ausstattung gewünscht hätten.

Teil der RTR-Ausstattung sind natürlich auch die benötigten RC-Komponenten. Hier neigt HPI gelegentlich dazu, etwas zu stark den Rotstift anzusetzen, was sich auch am Bullet MT zeigen sollte. Die zwei SF-1-Servos verfügen über eher durchschnittliche Leistungsdaten und fallen gegenüber dem sehr hochwertigen Grundaufbau des Bullet spürbar ab. Noch stärker zeigte sich dies bei der Fernsteuerung. Die TF-1 ist eine alte Bekannte, die nach wie vor nur die nötigsten Bedürfnisse abdeckt. Dazu kommt noch die Modulation in 27-Megahertz-AM, die in Sachen Komfort und Übertragungssicherheit nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik ist. Das ist für HPI nichts Neues, denn bei größeren und teureren Modellen wie dem Savage und dem Baja haben längst Ausführungen mit der modernen 2,4-Gigahertz-Technologie Einzug gehalten. So bleibt festzuhalten, dass hier ausschließlich kalkulatorische Gründe eine Rolle spielen.

Weniger quatschen – mehr Action
Nach der kompletten Durchsicht des Modells sollte es möglichst zügig auch in der Praxis zum Einsatz kommen. Davor stand allerdings noch die Beschaffung einer passenden Spritsorte. Die tadellose Anleitung legt die Verwendung eines Kraftstoffs mit einem Nitromethan-Anteil von 20 bis 25 Prozent nahe. Ausgehend davon, dass Motoren aus 1:10er-Modellen in der Vergangenheit meist mit 16-prozentigem Sprit gefahren wurden, findet sich hier eine erneute Erklärung, warum die Verdichtung des Motors eher niedrig gewählt wurde.
Besonders Hobbyneulinge sollten bei der Auswahl der Spritsorte mit Bedacht vorgehen. Nicht selten finden sich im Internet Angebote wieder, die mit sehr günstigen Preisen werben. Die Zusammensetzung von Modellbau-Kraftstoffen basiert auf einzelnen Komponenten, die allesamt in komplexen Verfahrensweisen hergestellt werden. Das kostet Geld und muss sich zwangsläufig im Preis widerspiegeln. Wer an dieser Stelle spart, befördert auf dem direkten Weg schädliche chemische Reaktionen in seinen Motor und schadet ihm so. An dieser Stelle sei dringend dazu geraten, seinen Kraftstoff von einem renommierten Hersteller zu kaufen. Eine lange Lebensdauer, maximale Leistungsabgabe und ein stabiles Laufverhalten des Motors kompensieren die Mehrkosten in jedem Fall.

Der erste Schritt bei der Verwendung eines Nitro-Antriebs ist die Einlaufphase. Auch hierzu ranken sich eine Menge Gerüchte um die beste Methode. Bisweilen finden sich in einschlägigen Internetforen gut gemeinte Ratschläge und Tipps, die fast schon groteske Vorgehensweisen empfehlen. In diesem Fall ist die naheliegende Lösung gleichzeitig die beste. Da der Tank unseres Bullet ab Werk über einen integrierten Spritfilter verfügt, waren hier keine weiteren Eingriffe notwendig. Also wurde der Motor gestartet und ohne Karosserie ging es langsam auf die erste Runde.

Vollgas, bitte
Nachdem der erste Tank geleert worden war, sollte der nachfolgende mit aufgesetzter Karosserie abgespult werden. Hierbei zeigte sich, dass die Haube des Bullet MT zugunsten der Monsteroptik sehr hoch platziert worden war. Dadurch klaffte eine große Lücke zwischen ihr und der Bodenplatte, was natürlich freie Bahn für Schmutz und Sand zur Folge hat. Bei aller Liebe zum Look, musste an dieser Stelle die Vernunft siegen und so wurde die Karo etwas tiefer gesetzt. Danach ging es mit einer etwas magereren Einstellung auf die nächste Tour.

Dieses Vorgehen wurde über eine Distanz von etwa zwölf Tankfüllungen fortgesetzt. Dann war die magische Ein-Liter-Grenze erreicht und alle Einstellschrauben am Vergaser standen auf ihren jeweiligen Positionen für maximale Leistungsabgabe. Die wurde auch prompt abgerufen und mit ordentlich Dampf ging es auf den ersten Vollgas-Abschnitt.

Die eingangs erwähnte, stark gestreckte Fahrwerksabstimmung zeigte den erwarteten Effekt und bügelte Unebenheiten nicht so optimal aus wie gewünscht. Also schnell ein paar Klipse entfernt und schon ging es deutlich besser. So ließ sich der Bullet MT perfekt durch die unterschiedlichsten Geländeabschnitte pilotieren. Vor allem in Steilhängen spielte die gewählte Flachchassis-Konstruktion ihre Stärken voll aus.

Beast
Statt bei Gasschüben hinten überzukippen, kämpfte sich der Bullet wacker die Hügel hinauf. Fliegender Dreck, Motorenlärm und Abgase bildeten einen aufregenden Rahmen. In Zeiten von sich verbreitenden Brushlessmotoren muss man so etwas mögen. Allerdings ist das so erzeugte Flair durch nichts zu ersetzen. Nicht nur Puristen erwarten von einer Ausfahrt mit ihrem Truck die passende Geräuschkulisse: Ein echtes Monster muss fauchen und dröhnen, sonst macht die ganze Action nur halb so viel Spaß.

Die Reifen erwiesen sich mit ihrer Profil-Kombination aus groben Blöcken und Stegen als gute Allrounder und bekamen nur auf harten, trockenen Naturböden ihre Grenzen aufgezeigt. Zusätzlich offenbarten einige Fahrten auf Asphalt einen verstärkten Verschleiß im seitlichen Bereich.

Dank des großen Kühlkopfs hielt sich auch die Temperatur des Motors meist in einem vertretbaren Bereich auf. Wer allerdings viel im groben Gelände oder gar im hohen Gras unterwegs ist, sollte dem Triebwerk eine gelegentliche Abkühlpause gönnen. Solche Fahrten werden oft unter hohem Leistungsaufwand bei gleichzeitig niedrigen Geschwindigkeiten durchgeführt. Viel Power bei gleichzeitig wenig Kühlung bedarf einer kontrollierten Vorgehensweise.

Nachkontrolle
Am Ende der Ausfahrten stand eine finale Durchsicht des Bullet auf dem Programm. Dabei zeigte sich, dass trotz der tiefer angesetzten Karosserie verhältnismäßig viel Schmutz ins Innere gelangt war. Auf lange Sicht würde dieser den Verschleiß ohne Zweifel in die Höhe treiben. Allerdings war unsere „Tieferlegungs-Maßnahme“ ohne weitere Eingriffe an der Haube vonstattengegangen. Einige Beschneidungen im vorderen und hinteren Bereich mittels Lexanschere ermöglichen problemlos eine nochmals tiefere Platzierung. An dieser Stelle muss die Form bedingungslos der Funktion folgen, Monster-Look hin oder her.

Ansonsten zeigte sich der Offroader von seiner besten Seite. Erhöhter Verschleiß oder gar Schäden waren während der Fahrten nicht zu verzeichnen, wobei hier natürlich der begrenzte Testzeitraum von etwa drei Fahrtstunden zu berücksichtigen ist. Auch die ungeliebten C-Klipse, die an einigen Bereichen der Aufhängung Anwendung finden, waren allesamt noch an ihrem Platz, sodass hier keinerlei Kritik anzubringen war.

Der HPI Bullet MT konnte in vielen Belangen überzeugen. Er ist robust und sein gutmütiger Motor zeigte sich vor allem durch kräftiges Drehmoment und einen stabilen Lauf von seiner besten Seite. Eine traditionelle Stärke von HPI-Modellen ist auch das Fahrwerk. Der Bullet bildet hier keine Ausnahme. Einschnitte muss der Interessent lediglich bei den RC-Komponenten hinnehmen. Diese sind nicht mehr als eine Zugabe für die allerersten Schritte und können ruhigen Gewissens bald in den Ruhestand geschickt werden. Die Entscheidung der HPI-Ingenieure, als Basis eine Flachchassis-Konstruktion zu wählen, war sicher die richtige. Die technische Überlegenheit gegenüber „echten“ Monstertruck-Layouts ist einfach zu groß, als dass man sie ignorieren könnte. Der niedrige Schwerpunkt kann in fast jedem Fahrtzustand seine Stärken ausspielen und trägt erheblich zum hohen Fahrspaß bei. Wer einen echten Hardcore-Offroader sucht, ist beim HPI Bullet MT 3.0 genau richtig.

Text und Fotos:
Oliver Tonn

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